Vera Zlatareva

Vera Zlatareva, geboren 1905, wird 1945 die erste Rechtsanwältin Bulgariens.

Hintergrund

Nachdem Vera Zlatareva im Jahre 1931 in den Rechtswissenschaften promoviert hat, versagt es ihr der bulgarische Staat, als Juristin zu arbeiten.

Zlatareva unternimmt einige Versuche, um ins Berufsleben als Juristin einzusteigen. Zunächst in der Kanzlei ihres Mannes, danach als Juristin in Mazedonien. Allerdings sind beide Versuche zum Scheitern verurteilt, der bulgarische Staat verbietet es ihr, sich als Frau beruflich zu entfalten. 1940 unternimmt sie einen neuen Versuch und bewirbt sie sich um eine Professur an der Universität von Sofia. Doch auch hier wird ihre Bewerbung abgelehnt mit der Begründung, dass weibliche Bewerbungen nur geprüft werden, sofern es keine männlichen Kandidaturen gibt. Zlatareva lässt sich davon nicht entmutigen. Im Gegenteil, diese Misserfolge motivieren sie, sich als Leiterin der Juristinnensektion der BAUW (Bulgarian Association of University Women) für den Zugang von Frauen zum juristischen Beruf einzusetzen.

Als Juristin und Autorin beschäftigt sich Zlatareva intensiv mit dem Thema Prostitution. Sie leitet eine Sonderabteilung der Polizei von Plovdiv, die sich mit der Bekämpfung von Prostitution befasst. Zlatareva ist Anhängerin des Abolitionismus; eine von der englischen Feministin Josephine Butler ins Leben gerufenen Bewegung, die das Angebot von Prostitution entkriminalisieren und die Nachfrage danach kriminalisieren will. Sie wendet sich gegen die als "traite des Blanches" bezeichnete rechtliche und sexuelle Versklavung der Frauen.

Mit der Einführung der kommunistischen Gesetzgebung im Jahr 1944 werden in Bulgarien Frauen die gleiche Rechte wie Männer eingeräumt. Damit wird es weiblichen Juristinnen ermöglicht, als solche zu praktizieren. 1945 wird Zlatareva die erste Rechtsanwältin Bulgariens. Darüber hinaus wird Zlatarevas politisches Engagement gewürdigt und sie wird 1944 als eine der ersten Frauen als Abgeordnete in die Nationalversammlung gewählt.

(Quellen: Wikipedia, Daskalova 2017, BAUW)

Lebensstationen

  • 1905 geboren in Golyamo Belovo (Bulgarien)
  • 1929 Abschluss Jurastudium an der Universität von Sofia
  • 1931 Promotion an der Universität von Sofia
  • 1931-1932 Rechtsberaterin Ministerium für Landwirtschaft und Staatseigentum
  • 1932-1934 Leitung der polizeilichen Sonderabteilung für Prostitutionsbekämpfung
  • 1934-1936 Tätigkeit bei der Stadtverwaltung von Plovdiv
  • 1944 Wahl als Abgeordnete ins nationale Parlament Bulgariens
  • 1945 Zulassung als Rechtsanwältin
  • 1977 Tod

Weiterführende Informationen

  • Daskalova, Krassimira: "Bulgarian Women in Legal Education and the Legal Profession During the First Half of the Twentieth Century", in: Kimble, Sara L. und Röwekamp, Marion (Hrsg.): New Perspectives on European Women's Legal History, New York 2017, S. 198-216.

Letzte Aktualisierung: L. Pacozzi. Verantwortlich: A. Tschentscher.