Victoria Kent

Victoria Kent Siano, geboren 1892, wird 1925 die erste Anwältin in Madrid.

Hintergrund

Victoria Kent Siano wird als erste Frau in die Madrider Anwaltskammer aufgenommen und macht sich schnell einen Namen als furchtlose Strafverteidigerin. Die Presse nennt sie die "erste Anwältin Madrids". Mit der Ausrufung der Zweiten Spanischen Republik 1931 zieht sie als eine von drei Frauen ins Parlament ein und amtiert zugleich als Generaldirektorin für den Strafvollzug. Beides aussergewöhnliche Positionen für eine Frau dieser Zeit. Kent setzt sich für humanere Lebensbedingungen von Gefangenen ein und führt damit das humanistische Werk von Concepción Arenal fort. Ihr Ziel: Würde statt Strafe.

Nach Francos Sieg flieht sie nach Paris, wo sie ihre Lebensgefährtin kennenlernt. Sie engagiert sich in internationalen antifaschistischen Netzwerken und tritt als Juristin in internationalen Verfahren auf, etwa bei der Verteidigung des deutschen Kommunisten Ernst Thälmann. In den 1940er Jahren lebt Kent, verfolgt von der Gestapo und der franquistischen Geheimpolizei, im Pariser Untergrund. Diese Jahre der Isolation, der Angst und des inneren Widerstands hält sie unter dem Pseudonym Madame Duval in einem autobiographischen Roman fest – eines der wenigen literarischen Zeugnisse weiblichen Exils unter der deutschen Besatzung.

Später geht sie nach Mexiko und New York, arbeitet für die Vereinten Nationen und gründet die Zeitschrift Ibérica por la libertad, die bis 1974 gegen den Franquismus kämpft. Nach Spanien kehrt sie nie zurück. Sie stirbt 1987 in New York – als Pionierin des spanischen Rechtswesens, Vorkämpferin für Gefängnisreform und eine der herausragenden Frauen der Zweiten Spanischen Republik.

(Quellen: Maria Corbí 2022, Wikipedia, Bildquelle: Wikipedia)

Lebensstationen

  • 1892 geboren in Málaga
  • 1906-1911 Ausbildung zur Lehrerin
  • 1920-1924 Rechtsstudium an der Universität Madrid
  • 1925 Beitritt zur Madrider Anwaltskammer
  • 1931-1933 Abgeordnete in der verfassungsgebenden Versammlung
  • 1931-1934 Generaldirektorin für Strafvollzug
  • 1937-1948 Aufenthalt in Paris
  • 1948-1950 Gründung Fortbildungszentrum für Gefängnispersonal in Mexiko
  • 1952-1957 Ministerin in der Spanischen Exilregierung in New York
  • 1954-1974 Herausgabe der Exilanten-Zeitschrift Ibérica por la libertad
  • 1986 Verleihung des spanischen Ordens San Raimundo de Penafort
  • 1987 Tod

Weiterführende Informationen


Letzte Aktualisierung: J. Niederberger. Verantwortlich: A. Tschentscher.